Experiment – Seiten manipulieren
Tags: Anonymisierungsdienst, Gefahren, PrivatsphäreViele kostenlose Proxyanbieter versprechen Anonymisierung oder anonymes Surfen im Internet. Doch jeder User, der einen Proxy verwendet, sollte mal darüber nachdenken, warum jemand einfach so einen Proxy im Internet gratis anbietet. Es mögen schon einige dabei sein, die das wirklich aus Selbstlosigkeit machen. Doch die große Anzahl an Freeproxyanbietern wollen damit natürlich Geld verdienen.
Dieses Geldverdienen kann auf legale aber auch auf illegale Weise geschehen. Legale Anbieter schalten einfach etwas Werbung auf der Seite oder beim Surfen, was ja vollkommen legitim ist, wenn man den Dienst kostenlos anbietet. Anderer greifen jedoch zu ganz anderen Mitteln. Und so muss man bei der Auswahl seines bevorzugten Proxydienstes durchaus wählerisch sein. Denn es gibt leider Gotte jede Menge schwarze Schaafe.
Die eine Variante dieser Kriminellen ist es, alle Daten, die über den Proxy geschleust werden, mitzuspeichern. So kommt der Proxyanbieter schnell zu Zugangsdaten oder sogar Kreditkartendaten. Was ein Krimineller damit anstellen kann, brauchen wir hier wohl nicht diskutieren.
Die andere Möglichkeit ist, jene Seiten, die über den Proxy ausgeliefert werden, zu manipulieren. Das kann zwar ganz harmlos aussehen, aber dennoch grawierende Auswirkungen haben. Stell dir einfach mal vor, dieser Anbieter manipuliert jede Werbung der angesurften Seiten, sodass nur mehr er selbst daran verdient. Das kann dem Surfer im ersten Blick noch egal sein, doch die Anbieter der verschiedenen Seiten, welche oft viel Arbeit hineinstecken, werden dadurch natürlich betrogen.
Vermutlich sollte jetzt ein großer Aufschrei kommen: Das muss man doch merken, wenn Seiten manipuliert werden. Genau das gleiche dachte ich mir auch und bin mal auf die Suche nach einem Experiment gegangen. Dabei bin ich auf die Seite http://odem.org/insert_coin/ gestoßen. In diesem Experiment surften 250 Personen über einen Proxy, über welchen teils unglaubliche Manipulationen vorgenommen wurden. Doch nur ein ganz geringer Teil bemerkte das überhaupt. Wer sich nicht das ganze Experiment durchlesen will, dem möchte ich hier eine kurze Zusammenfassung bieten:Zwei Studenten an der Stuttgarter Merz Akademie haben im Rahmen ihrer Diplomarbeit den gesamten Web-Datenverkehr an ihrer Akademie gefilter und auch manipuliert. So wurden nicht nur Nachrichtenmeldungen verändert sondern auch private Emaildaten gefiltert. Das traurige daran: niemand ist es aufgefallen.
So haben die Studenten ihr Experiment veröffentlicht und eine Anleitung nach außen gegeben, wie einfach man diese Filterung umgehen kann. Doch nur ein verschwindet kleiner Bruchteil an Personen hat sich dies zu Herzen genommen und hat die Filterung übergangen.
Was wirklich erstaunlich daran ist, ist die Tatsache, dass dieses Experiment bereits im Jahr 2000 vorgenommen wurde. Ist die Internet-Generation mittlerweile so vertraut mit dem Online-Surfen, dass diese heutzutage gar nicht mehr mögilch ist, ohne dass es jemanden auffällt? Oder ist das Vertrauen der Erdenbewohner in das Internet mittlerweile noch stärker ausgeprägt, sodass man Wikipedia mehr glaubt als dem Duden?
Würde es uns auffallen, wenn die Wörter Helmut Kohl durch Gerhard Schröder ersetzt werden? Oder Al Gore durch Al Bundy? Ich behaupte ja, das würde uns auffallen. Durch wir würden uns keine Gedanken darüber machen, wie es denn zu diesem Fehler gekommen sein kann. Im Experiment hat sich herausgestellt, dass alle der Annahme waren, dass der Seitenbetreiber schuld an diesem Fehler sei. Daran zu denken, dass die Seite manipuliert wurde, ist wohl keinem in den Sinn gekommen.
Doch welche Schlussfolgerungen können wir für uns aus diesem Experiment ziehen? Vertraue niemanden außer dir selbst? Nein! Schon in der Straßenverkehrordnung gilt der Vertrauensgrundsatz. Und das ist auch gut so. Ohne Vertrauen lässt sich das menschliche Zusammenleben nicht regeln. Doch wir dürfen nicht blind vertrauen! Manche Angelegenheiten müssen einfach hinterfragt werden. Und so möchte ich euch auf den Weg geben: Achtet darauf, welchen Proxy ihr verwendet!


